Politischer Frühschoppen am 2. 2. 2022

Alois Wolfram

14. Februar 2022

Thema: Wahlen, Wohungsbau und Wirtschaft nach 1945

Bericht: Alois Wolfram

Der Referent Dr. Sebastian Schott vom Städtischen Kulturamt erwies sich als profunder Kenner der Nachkriegsjahre Weidens und rief zugleich die Erinnerung mancher Teilnehmer wach.

Die Einnahme der Stadt durch die amerikanische Armee am 22.4.1945 mit dem zuvor erfolgten Beschuss, die Ablösung der NS-Führung, die Einsetzung Unbelasteter, die 1.Komunalwahl am 26.5.1946 bei einer Wahlbeteiligung von 92,4%, mit 7331 Stimmen für die CSU sowie 4459 für die SPD, stellte der Referent im Einzelnen dar. Zunächst wurden die Bürgermeister durch die amerikanische Militärverwaltung eingesetzt, dann vom Stadtrat gewählt. Mit der Oberbürgermeister Direktwahl im Mai 1952 begann die 18 Jahre dauernde Ära von Hans Schelter (SPD), der sich mit vielen Baumaßnahmen ein Denkmal setzt.

Alle Deutschen, welche die NS-Herrschaft aktiv unterstützt hatten, sollten von einer Einflussnahme auf das öffentliche Leben ausgeschlossen werden, so das Bestreben der Siegermächte. Die Entnazifizierung vor Ort wurde in die Hände einer 5-köpfigen meist aus bekannten NS-Gegnern bestehenden Spruchkammer gelegt, die in Weiden über 10.000 Fälle bearbeitete. Davon wurde 1er als Hauptschuldiger, 38 als belastet, 309 als minderbelastet und 1.327 als Mitläufer eingestuft. „Wie in ganz Bayern schien nach Spruchkammerurteilen auch in Weiden das NS-Regime von einer verschwindenden Minderheit getragen zu sein, welches so sicher nicht den Realitäten seit 1933 entsprochen hatte und kein echter Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeitgenannt werden darf“, so der Referent.

Im Winter 1944/45 kamen bereits zahlreiche Flüchtlingstrecks aus Schlesien an. Dazu kamen Tausende, insbesondere mit Vertreibungstransporten seit Frühjahr 1946. In Weiden, mit etwa 27.000 Einwohnern im Jahr 1939, waren 12.000 Menschen aufzunehmen. Dazu Tausende ehemaliger Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Die im Jahr 1945 vorhandenen 6.900 Wohnungen waren bei weitem nicht in der Lage, diese entwurzelten Menschen aufzunehmen. Deshalb wurden Gasthäuser, Fabriken und Barackenlager als Notunterkünfte verwendet. Die meist aus Polen und der Sowjetunion stammenden jüdischen Überlebenden der KZ-Lager und Todesmärsche, zwischen 1945 und 1948 etwa 1.000 Menschen, wurden in beschlagnahmten Zimmern und Wohnungen in der Stadt untergebracht, nicht ohne Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung. Die Wohnungsnot war neben der übrigen Versorgung der Bevölkerung die umfassende und zentrale Aufgabe. Die schlimmste Zeit nicht nur für die Flüchtlinge war der Hunger-Winter 1946/47, mit einer langen Frostperiode. Die Stadt reagierte mit der Gründung einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft, die mit bereits bestehenden und privaten Bauträgern, insbesondere nach der Währungsreform, neue Wohnungen baute. In den ersten zehn Jahren nach der Währungsreform entstanden 4.000 Wohnungen und der Bestand erhöhte sich bis 1958 auf fast 12.000. Bis 1973 kamen noch einmal 5.500 Wohnungen dazu. Neue Stadtteile entstanden wie zum Beispiel der Karl-Heilmann-Block und das Stockerhut-Gelände mit 800 Wohnungen bis 1960. Nach fast 50 Jahren wurde dieser renovierungsbedürftige Stadtteil aufwändig saniert und bietet heute ein modernes und attraktives Umfeld, so der Referent Schrott. Weiden hat in der Nachkriegszeit 42.000 Einwohner erreicht und 1960 waren ein Viertel davon Vertriebene, die in Weiden eine neue Zukunft fanden.

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